Meine ersten beiden Unitage habe ich also überstanden. War jetzt auch nicht so schwer, schließlich war es nur jeweils ein Kurs, der bewältigt werden musste. Donnerstag habe ich beide Kurse wieder und dann ist endlich Wochenende. Schließlich wollen die Hausarbeiten ja auch noch ihre Streicheleinheiten bekommen.
Uni ist übrigens sehr cool hier – besonders die technische Ausstattung. Beide Kurse wurden via Videoübertragung nach Tallin und im ersten Fall noch an eine andere finnische Uni gestreamt. Die Beamer funktionieren hier. Die Dozenten können mit PowerPoint umgehen und gestalten ihre Slides vernünftig. Außerdem haben sie diese coolen Teile, die Blätter abfilmen…also quasi OHP/Polylux-Ersatz der keine Folien benötigt sondern einfach so funktioniert mit jedem beliebigen Blatt. Und als wäre das noch nicht genug, wird das nicht einfach an die Wand geworfen sondern ist mit einem der beiden (!!) Beamer im Raum verbunden. Heidewitzka möchte man da sagen. Er lässt sich nicht lumpen, der Finne. Achja, da hätte ich beinahe den totalen Knüller vergessen. An der Tür zum Hörsaal steht ein Schild, das da verkündet, dass man sein Hörgerät doch bitte auf Schaltung “T” stellen möge. Live-Stream ins Ohr?! Potzblitz! Wer mich also besuchen kommt, bitte das Hörgerät mitbringen, denn das würde mich schon mal interessieren.
Ansonsten hab ich heute das erste mal finnische Studenten in Aktion gesehen. Vor einer der vielen Mensen – die, von der ich spreche, wird voon Sodexho betrieben – saßen einige langhaarige Menschen und hatten einen Tisch mit Milch, Brot und Saft aufgebaut. Davor stand ein Schild, dass selbst mit meinen begrenzten Finnischkenntnissen etwas heißen musste wie “Boykottiert Sodexho”. Hm, nun weiß ich nicht worum es dabei geht – würde aber mal auf Globalisierungskritik im weiteren Sinne tippen. Jedenfalls kam dann ein netter Herr mit Sodexho-Logo auf dem Jackett an und diskutierte offen mit den Herrschaften auf dem Boden. Leise, zivilisiert. Ob sie zu einer Übereinkunft gekommen sind, vermag ich nicht zu sagen, denn ich wollte zurück ins traute Heim. Wo die Hausarbeit wartet (ächz). Und das Fitnessstudio (doppelächz). Einkaufen war ich auch. Und Wäsche gewaschen haben wir. Jetzt noch essen, letzte Sachen aus dem Rucksack auspacken und dann wieder Hausarbeit.
Ja, da ist er also endlich. Hat ja auch ganz schön lange auf sich warten lassen – der Alltag.
Bevor ich für heute Schluss mache, verkünde ich noch, dass ich zwei Kurse habe, die von Tapio Raunio gegeben werden, habe. Und unter vergleichenden Politikwissenschaftlern ist der ja schon ne ganz schön große Nummer. Und nett ist er, wirklich nett. Leider hat er mir in meiner ersten Sitzung dieser Vorlesung schon total viel Input gegeben und leider auch noch ganz viel, was für meine Hausarbeit relevant sein könnte – argh. Jetzt hab ich noch mehr Sachen, die da mit reinkönnten. Naja, was solls, gekürzt wird zum Schluss. Aber es ist schon verlockend, in der Präsidentialismus-Parlamentarismus-Debatte dem ersteren den Gnadenstoß mit (Trommelwirbel) der Principal-Agent-Theorie zu geben. Ganz famos wird das. Wenn ich es nicht wegkürze. Wir werden sehen. Und wenn ich richtig gut bin morgen, werde ich schnell fertig und bearbeite noch ein paar Bilder aus Lappland, damit ich hier endlich davon berichten kann.
Ich sage nur soviel: Rentiere, Regen, Oktoberfest auf finnisch, tolle Landschaft. Na, wenn das jetzt aber mal kein Grund ist, sich bald wieder hier einzuklinken, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. In diesem Sinne wünsche ich erstmal einen schönen Abend.
Aus der Tuomiokirkonkatu berichtete mehr oder minder live für sie -
Christopher